Im Dunkeln den Weg finden - die Intuition

 

In diesem Artikel möchte ich über die Intuition sprechen. Intuition kann eine große Kraft und ein Wegweiser für unser Leben sein. Allzu oft wird sie jedoch verdrängt oder bewusst ignoriert. Was bedeutet das?

 

 

Meine Geschichte mit der Intuition

 

 

Ich will Dir eine Geschichte erzählen. Ich komme aus einem Haus in dem - vor allem väterlicherseits - sehr viel Wert auf Logik und Ratio gelegt wurde. Was man nicht beweisen konnte, gab es nicht. Es ging um Beweise und Belege, um Zahlen und Berechnungen. Das war die Sprache meines Vaters. Im Verlauf meines Lebens wurde mir klar, dass das nicht meine Sprache ist. Insgesamt tat ich mir sehr schwer, diese "Sprache" zu erlernen und vor allem zu sprechen. 

 

Ich war ein - wie sagt meine Mutter - lebendiges Kind. :) Ich war kreativ, hatte eine bildhafte Sprache, war naturverbunden und intuitiv. Im Laufe der Jahre rückte das weiter und weiter in den Hintergrund. Ich lernte, dass diese Signale nicht sicher, nicht verlässlich sind. Vielmehr lernte ich, mehr und mehr meinem Verstand die Führung zu überlassen. Der Verstand wurde als verlässliche Quelle für Lebensführung und Entscheidungsfindung "vermarktet". Nicht nur in meinem familiären Umfeld, auch in der Welt, in der ich lebte. So zumindest mein Eindruck. Gerne hörte ich: "Erst denken, dann reden". Wenn ich sachlich und rational war, wurde ich von anderen Menschen anerkannt und bekam Lob. So, sei es richtig. 

 

Wenn ich Entscheidungen traf, weil es sich "richtig anfühlte", stieß ich eher auf Unverständnis. Ich will nicht sagen, dass Logik und Ratio per se schlecht sind. Sie haben mich viele Dinge erkennen, untersuchen und auf den Grund gehen lassen. Damit lebte ich auch ganz gut. Hin und wieder gab es Momente in denen ich "Eingebungen" hatte. So nenne ich diese Impulse meiner Intuition. Entscheidungen, die plötzlich ganz klar waren. Ohne, dass ich eine Begründung gehabt hätte. Ich wußte es einfach. Oder Ideen, die ganz plötzlich da waren. Unerklärlich. Aus dem Nichts. "Verrückte Sachen", die mir passierten. 

 

 

Es passieren "verrückte" Dinge 

 

 

Zum Beispiel war mir nach meiner 2. Yogastunde, die ich je besucht hatte, völlig klar, dass ich einmal eine Yogaausbildung machen würde. Es war eine tiefe, innere Gewissheit, dass das so kommen würde. Irgendwann, wenn die Zeit reif ist. 

 

Oder hatte ich 2017 plötzlich die Idee nach Indien zu reisen. Ich wollte nie nach Indien. Ich hatte keinerlei Verlangen danach. Wie aus dem Nichts fing ich plötzlich an, Menschen zu erzählen, ich würde in einem Jahr nach Indien reisen. Ein Teil in mir fand das ganz seltsam, irrational und total verrückt.  

 

Oder noch ein Beispiel. Bevor ich mich Anfang 2019 voll selbstständig gemacht habe, kämpfte ich innerlich lange mit mir, wie es mit meiner Teilzeit Anstellung weiter gehen sollte. Wollte ich das weiter machen? Sollte ich den Sprung in die volle Selbstständigkeit wagen? Lange Pro- und Contralisten halfen mir nicht wirklich weiter (Oh, Wunder ^^). Ich war unklar. Bis plötzlich ein Moment kam, in dem ich wie ferngesteuert in das Büro von meinem damaligen Chef lief und kündigte. Einfach so. Zack. Ich kündigte. Ein Teil in mir war völlig außer sich, was ich denn da gerade täte! Ich konnte nicht erklären, was gerade geschah. Aber ich wusste tief innen drin, dass es das richtige ist.

 

Ich könnte Dir jetzt noch mehr Beispiele geben. Der Punkt, den ich machen möchte, ist, Dir zu veranschaulichen, wo Du in Deinem Leben vielleicht auch schon mal so eine unerklärliche tiefe innere Gewissheit hattest. Ein tieferes inneres Wissen, dass es genau so sein soll. Dass Du jetzt diesen Weg gehen sollst. Dass Du jetzt diese Entscheidung treffen sollst. Und dass es genau so sein soll. Aus dem Nichts. Ohne rationale Begründung. 

 

 

Gefühlen und Intuition nicht vertrauen

 

 

Ich finde es immer wieder erstaunlich, auch in meinen Coachings, zu erleben, dass Menschen ihrer Intuition, aber auch ihren Gefühlen nicht trauen. Gefühle seien nicht verlässlich. Keine erst zu nehmenden Signale. Ganz oft verlernen Menschen auf ihre Gefühle zu hören. Ihre Intuition wahrzunehmen. Das sei Hokuspokus. 

 

Ich schreibe das hier, weil ich Dir Mut machen möchte. Auch ich bin immer noch im Prozess des Wiederentdeckens. Im Prozess mich daran zu erinnern. Im Prozess darauf zu vertrauen. Auch wenn ich über die letzten Jahre immer wieder solche Momente geschenkt bekam, so heißt das nicht, dass ich damit wirklich vertraut bin. Manchmal komme ich mir vor, als ob ich im Dunkeln unterwegs wäre. Und ich hoffe und warte auf eine Eingebung, auf einen intuitiven Impuls, auf eine emotionale Klarheit. Denn diese Momente weisen mir meinen Weg. 

 

Gerade wenn Du Dich fragst, was ist der nächste Schritt für mich? Wo soll es für mich hingehen? Wenn all die schönen Excel Tabellen keine Antworten für Dich haben. Dann ist es vielleicht an der Zeit, Deinen Gefühlen und Deiner Intuition zu vertrauen. Auch wenn andere das belächeln und für Quatsch halten. Dir sagen, "so macht man aber kein Business" oder "so findest Du nie den richtigen Job für Dich" oder "also mit in die Stille lauschen wirst Du diese Entscheidung niemals treffen können". Doch wirst Du! 

 

 

Der Verstand schreit laut nach Antworten 

 

 

Und während wir (wieder) lernen auf unsere Intuition zu vertrauen, ist unser Verstand sehr laut. Er schreit und brüllt. Will Antworten, stellt tausend Fragen, gibt niemals Ruhe. Ich will den Verstand hier nicht verteufeln. Es ist gut, dass wir ihn haben. Es ist aber auch gut, wenn wir unseren Gefühlen und unserer Intuition eben so viel Raum einräumen. Sie sehen. Wahrnehmen. Spüren. Erkennen. Und sie weniger runter machen, klein machen, weg wischen und belächeln. Sie sind ein wichtiger Teil auf unserem Weg. 

 

Ich sage nicht, dass es leicht ist, der eigenen Intuition zu vertrauen. Oder überhaupt wieder zu hören. Es scheint am Anfang so schwierig, diese Schritte - gefühlt- ins Nichts zu machen. Dem Unbekannten zu vertrauen. Einfach weil Du einen inneren Impuls verspürst, der Dich lenken will. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Wir alle dürfen unserer Intuition (noch) mehr vertrauen. 

 

 

Intuition stärken 

 

 

Um Deine Intuition weiter zu stärken, ist es hilfreich - wenn möglich täglich - einige Minuten alleine in Stille zu verbringen. Nach innen zu lauschen. Es kann auch hilfreich sein, sogenannte Morgenseiten zu schreiben. Dafür stellst Du Dir den Timer auf ca. 7-10 Minuten und schreibst ohne Unterbrechung alles was aus Dir heraus fließen möchte. Außerdem, achte im Alltag auf die kurzen Momente zwischen Gedanken und Reaktionen. Die Intuition ist schnell und leise. Nimm Dir Zeit und Raum in die Natur zu gehen und dich mit ihr zu verbinden. All das unterstützt Dich auf Deinem Weg.

 

 

 

Bild: Unsplash, Sigmund