Wer will ich sein, als Lehrerin? Vom Yoga lehren

Im Jahr 2013 begann ich Yoga zu unterrichten. Ich hatte das nicht geplant. Das kam eher aus der Not heraus.

Wie ich heute – 6 Jahre später – angehende Lehrerinnen* unterstütze ihren Weg zu gehen, liest Du hier.

 

Alles begann mit einer Vertretungsanfrage. Ich hatte meine Ausbildung 2 Monate zuvor abgeschlossen

und keine konkrete Absicht zu unterrichten. Als ich jedoch im Jahr 2013 arbeitssuchend war,

kam die Vertretungsanfrage meiner befreundeten Lehrerin gerade recht.

 

Mir ging es zu dieser Zeit sehr schlecht, da ich trotz all meiner Bemühungen nach dem Studienabschluss

keine Festanstellung fand. Ich zweifelte an mir und sah über die Zeit hinweg auch kaum Gründe morgens aufzustehen.

Ich fühlte mich verloren und unnütz.

 

Das sind echte Menschen, die ich hier unterrichte! 

 

Da erschien die Yogaanfrage wie ein heller Stern am Himmel. Ich unterrichtete damals Sivananda Yoga

und vertrat damit einen Vinyasa Kurs. Im Nachhinein würde ich vermuten, dass sich die Schülerinnen

sicher erst einmal gewundert haben, was da so vor sich geht. Zudem war ich nervös

und dachte die ganze Zeit: „Oh Gott! Das sind echte Menschen, die ich hier unterrichte!“.

 

Denn während der Ausbildung bewegte ich mich unter Gleichgesinnten – alle waren in der Ausbildung,

alle saßen im gleichen Boot.  Ich bewegte mich in einer sicheren Yogabubble. Auf den Ernstfall „draußen“

fühlte ich mich nicht so recht vorbereitet.  Da saßen plötzlich Menschen, die große Augen machten,

als sie Mantren singen sollten oder ich über das Konzept von Brahmacharya (sexuelle Enthaltsamkeit) philosophierte.

 

Allgemein gab es bei mir große Unsicherheit. Zu unterrichten bedeutete für mich einen großen Schritt

aus meiner Komfortzone heraus. Trotzdem bin ich dabei geblieben. Das war zum einen der Situation geschuldet,

aber natürlich auch der Freude am Unterrichten. Sonst wäre ich auch nicht bis heute dabei geblieben.  

 

Zu Beginn hatte ich so viele Fragen

 

Meine befreundete Yogalehrerin hat einen Großteil dazu beigetragen und mich auf dem Weg sehr unterstützt.

Wie ich heute weiß, war sie meine Mentorin. Ich konnte ihr all meine Fragen stellen.

Und ich hatte viele! Sie vermittelte Wissen und gab mir konkrete Ratschläge.

Das half mir ungemein in meine Rolle hineinzuwachsen.

 

Heute, 6 Jahre später, gebe ich zurück, was ich damals erhalten habe.

Ich unterstütze durch Mentoring angehende Yogalehrerinnen. Dabei geht es, gerade zu Beginn,

um eine Profilentwicklung. Wer will ich als Lehrerin eigentlich sein? Was ist mir wichtig? Wofür will ich stehen?

 

Wer will ich als Lehrerin eigentlich sein? 

 

Einige Fragen, die ich dafür nutze, möchte ich gerne mit Dir teilen.

Im ersten Teil geht es um ein allgemeines Abstecken des Terrains:  

 

  1. Was kann ich richtig gut?
  2. Was kann ich nicht so gut bzw. was will ich auch nicht können?
  3. Worin muss ich mich verbessern, wenn ich meinen Traum leben will?
  4. Was begeistert mich?
  5. Für was möchte ich in Erinnerung bleiben?
  6. Woran glaube ich? Was sind Werte, die mir wichtig sind?
  7. Wie beschreiben mich meine Freunde? 

 

Im zweiten Teil geht es spezifischer um die Tätigkeit des Yoga Lehrens:

 

  • Was motiviert mich Yoga zu unterrichten? Warum will ich das tun?
  • Was gibt mir Kraft und Energie am Unterrichten?
  • Wen möchte ich unterrichten? Wer soll meine Zielgruppe sein?
  • Was möchte ich anbieten (Unterrichtsstil)?
  • Wo will ich unterrichten?
  • Was macht mich einzigartig?

 

       Diese Fragen können helfen, Klarheit über sich selbst zu gewinnen.  Am Anfang scheint das vielleicht nicht so wichtig.

      Meist ist man vollauf mit anderen Dingen beschäftigt und man kommt ja ganz gut durch seine Stunden durch.

 

      Stelle Dir Fragen - Nicht nur einmal, immer wieder 

 

Früher oder später wird man jedoch an einen Punkt kommen, an dem es an der Zeit ist,

sich solche oder ähnliche Fragen zu stellen. Zumindest hoffe ich das. Die Klarheit und Sicherheit,

die die Einzelne dadurch gewinnt, wird sich auch im Unterricht zeigen.

Ich halte es hier mit Jean-Jacques Rousseau: „Man muß viel gelernt haben, um über das,

was man nicht weiß, fragen zu können“. Daher lohnt es sich, zu jeder Zeit auf dem Yogaweg,

sich Fragen zu stellen. Nicht nur einmal, sondern immer wieder.

 

 

Dieser Artikel ist auch auf dem Finde Dein Yoga Blog erschienen.

 

*Zur besseren Lesbarkeit wähle ich durchgehend die weibliche Form.

Foto: Seemi Samuel, Unsplash